Mikro-Abenteuer: Hüttenwanderung in den Dolomiten

Abenteuer Hüttenwanderung!

Wie lange haben wir uns auf dieses Abenteuer gefreut? Etwa ein Jahr! Diese Hüttenwanderung haben wir im Sommer 2017 in den Insta-Storys von Sebastian und Line vom Blog Off The Path gesehen und wussten sofort: die müssen wir auch machen! Die absolut richtige Entscheidung!

In Sachen Hüttenwanderung war das unsere Premiere. Wir wandern zwar viel, aber ohne schwere Rucksäcke und bisher nur tageweise. Diese Route ist für den Hüttenwanderungs-Start perfekt: Drei Wandertage, eine überschaubare Kilometer-Anzahl, moderat verteilt auf ca. 3.000 Höhenmetern, sehr abwechslungsreiche Landschaften und tolle Einkehrhütten.

Organisation einer Hüttenwanderung

Als wir diese Tour entdeckt haben, dachten wir uns „machen wir das doch über Ostern 2018“! Pustekuchen! Die Hütten haben Winterpause! Je höher und abschüssiger eine Hütte liegt, desto länger ist die Pause. Viele Hütten öffnen abhängig vom Wetter und beherbergen während der Wintermonate keine Gäste, da die Unterhaltung der Hütten sehr aufwendig ist. Die Schutzhütten dieser Tour (Grasleitenhütte und Schlernhaus) öffnen von Juni bis Oktober.

Übernachten in der Hütte

Bettenlager! Das war unser erster Gedanke, aber siehe da: viele Hütten haben auch Doppelzimmer. Beide Hütten der Tour, die Grasleitenhütte und das Schlernhaus, bieten gegen 10 Euro Aufpreis pro Person Doppelzimmer an. Diesen Luxus haben wir uns gerne gegönnt. Es lohnt sich also vorher abzuchecken welche Übernachtungsmöglichkeiten eine Hütte anbietet! Die meisten Hütten haben nur eine begrenzte Anzahl an Betten, daher empfehlen wir dir frühzeitig zu reservieren. Für die Übernachtung ist ein Hüttenschlafsack* Pflicht! Ein Hüttenschlafsack oder Seidenschlafsack ist ein sehr dünner Schlafsack, vielmehr ein Inlay für Schlafsäcke oder die Bettwäsche. In den Bergen werden diese um die Hygiene zu bewahren verwendet. Denn aus organisatorischen Gründen kann nicht nach jedem Gast die Bettwäsche gereinigt werden.

Mit Duschen ist es wie mit Doppelzimmern, es gibt sie häufiger als gedacht, Standard sind sie aber keinesfalls. Unsere erste Hütte, die Grasleitenhütte, hatte eine Dusche. Für 3 Euro konnten wir etwa 3 Minuten (20l) warm Duschen. Ein wirklich schönes Gefühl nach dem anstrengenden Aufstieg. Die zweite Hütte, das Schlernhaus, hatte hingegen keine Dusche. Hier gibt es aber einen abschließbaren Waschraum für die ausgiebige Katzenwäsche. Berührungsängste solltest du auf einer Hüttenwanderung nicht haben. Die meisten Bereiche (mit Ausnahme der WCs) werden gemeinschaftlich und somit geschlechtsunabhängig genutzt. Stromversorgung findet man in der Regel im Gemeinschaftsraum. Das Handy oder die Powerbank kannst du hier easy aufladen. Mit größeren Geräten solltest du alleine schon aus Gewichtsgründen nicht auf eine Mehrtageswanderung gehen. In den Hütten darfst du dich nicht mit deinen Wanderschuhen bewegen. Entweder packst du dir Hüttenschuhe/Schlappen oder Badelatschen ein, oder du bedienst dich an dem ausleihbaren vorhandenen Sortiment der Hütte.

Hüttentour Packliste

Es gilt hier definitiv: So wenig wie möglich und nur so viel wie nötig. Alles was du einpackst trägst du auch. Das coole an dieser Dolomiten-Tour ist, dass man regelmäßig an Wasserquellen oder Hütten vorbei kommt, wo wir die eigene Flasche mit frischem Wasser auffüllen können. So spart man sich 1-1,5 kg Wasser-Vorrat. Führt eine Tour nicht an Quellen vorbei, muss man genug Wasser einpacken. Im Schnitt solltest du nicht mehr als 6-8kg in deinen Rucksack packen! Vanessa hatte etwa 5,5kg in ihrem 38l Fjällräven Kaipak* und David ca. 8kg im 48l Osprey.

Apropros sparsam: Die Hütten stellen Wäscheleinen zur Verfügung, wo du ggf. gewaschene oder auch nass gewordene Kleidung trocknen kannst.

Für eine 3-tätige Tour wie diese empfehlen wir folgende Packliste für deine Hüttenwanderung:
Zum Aufklappen auf das + klicken

KLEIDUNG
  • 2-3 Funktionsshirts
  • Wanderhose, evtl. mit Zip-Off oder strapazierbare Leggins
  • Wandersocken (Merinowolle)
  • Fleecejacke oder ähnliches
  • wasserdichte Wanderjacke
  • Buff oder Tuch (Wind und Sonnenschutz)
  • Wanderschuhe
  • passend abgezählte Unterwäsche
  • relaxte und leichte Hüttenkleidung
HYGIENE & GESUNDHEIT
  • Medi-Pack (Schmerzmittel, Wundspray)
  • Blasenpflaster
  • feste Seife für Haut und Haar
  • Zahnbürste & Zahnpasta
  • Creme oder Öl zur Hautpflege
  • Mikrofaserhandtuch
  • ggf. Ohrenstöpsel (falls Bettenlager)
  • Sonnencreme (LS 30-50)
  • ggf. Rasierer
  • ggf. Hirschtalgcreme
EQUIPMENT
  • Hüttenschlafsack
  • ggf. Wanderstöcke
  • Sonnenbrille
  • Ausweis
  • Bargeld
  • ggf. Alpenverein-Mitgliedsausweis
  • Handy
  • Power Bank
  • Wanderkarte / ggf. GPS App/Gerät
  • ggf. Kamera
  • ggf. Stativ / Gorilla

und je nach Tour (hier nicht erforderlich)

  • Klettersteigset
  • Helm
  • Stirnlampe
  • Gaaschen

Die Organisation ist geklärt, jetzt kann es losgehen!
Ausgangspunkt: Völs am Schlern

Südtirol ist einfach ur schön und absolut abwechslungsreich – die perfekte Region für die erste  oder eine Hüttenwanderung. Unser Ausgangspunkt ist das kleine Dorf Völs am Schlern. In Völs reisen wir einen Tag vor dem Wanderstart an. Wir übernachten direkt am Dorfplatz im zuckersüßem und tollen Gasthof Albergo Kreuzwirt. Nach der Wanderung geht es wieder in denselben Gasthof zurück, daher können wir unser nicht benötigtes Gepäck in der Unterkunft lassen. Bei fast allen Unterkünften der Region erhältst du die „Seiser Live Card“ (im Gegenzug für die Kurtaxe). Die Seiser Live Card beinhaltet dein Busticket – perfekt, so muss man sich am Morgen der Wanderung um nichts mehr kümmern!

Tag 1: Über das Tschamintal zur Grasleitenhütte

Beim Wandern zählen wir zu den early Birds und starten immer sehr Früh. So auch diesmal. Vollbepackt haben wir in Völs den ersten Bus um 7:31 Uhr zur Station Weislahndbad genommen. Ein Mini-Frühstück bekommt man in Völs noch in der Nähe der Haltestelle bei der Bäckerei.

Kleine Stärkung.

Angekommen an der Haltestelle Weißlahnbad beginnt die Tour bereits auf ca. 1.200 Höhenmetern. Die Route verläuft die ersten 2-3 Stunden recht entspannt, durch das wunderschön, romantische Tschamintal! Es geht ein ganzes Stück am parallel fließenden Fluss entlang. Überall auf dem Weg begegnest du Wasserquellen zum Wiederauffüllen deines Wasservorrats (das Bergquellwasser hat Trinkwasserqualität!). Durch Wälder und Weiden, verläuft die Tour vorbei an alten Hütten – wo man perfekt eine kleine Picknick-Pause einlegen kann. Erst dann folgt die letzte und gleichzeitig anstrengendste Etappe des ersten Tages. Der Weg führt steil hinauf, weiterhin umgeben von Wald. Und dann, plötzlich verlassen wir den Wald und sind umgeben von einer eindrucksvollen Bergkulisse. In der Ferne sehen wir unser Ziel, die Grasleitenhütte – bald ist es geschafft! An der Hütte angekommen ist das Radler wohl verdient! Geschützt durch die Bergschlucht ist die Einkehrhütte auf 2.165m wunderschön gelegen!

Tag 2: Hoch über den Molignonpass bis zum Schlernhaus

Nach einem kleinen Frühstück geht es hinter der Grasleitenhütte weiter. Der zweite Tag beginnt mit einem steilen Anstieg über ca. 450hm zum Molignonpass (auf ca. 2.600m). Die erste Etappe der Tagestour verläuft über Geröll und unbefestigte steile Wege. Oben angekommen eröffnen sich wunderschöne Aussichten auf die steinige Landschaft und den gegenüberliegenden ca. 3.000 Meter hohen Kesselkogel.

Jetzt geht es gemütlicher auf dem Plateau weiter zum Zwischenziel Tierser Alpl (2.440hm). An dieser modernen Herberge kommst du etwa zur Mittagszeit an. Die Hütte liegt auf halber Tages-Strecke. Hier kannst du ein letztes Mal deine Wasservorräte auffüllen und dich stärken bevor es hügelig weiter zum Schlernhaus geht. Auch der 2. Tag führt über 1.000hm. Die fehlenden hm folgen auf der letzten Etappe. Obwohl das auf 2.457hm gelegene Schlernhaus „nur“ 17m höher als die Tierser Alpl Hütte liegt, überwindest du auf diesem hügeligen Stück nochmal gut 300hm. Oben auf dem Schlern angekommen, führt die Route weiter über die Alm. Wieder zeigt sich die Wanderung von einer neuen Seite: der Misch aus der weiten Sicht und der Nebeldecke, erinnert uns an die schottischen Highlands.

Vom Schlernhaus aus hast du einen wunderschönen Blick über den sogenannten Rosengarten, ein 8km langes Bergmassiv der Dolomiten. Es lohnt sich nach dem Abendessen das Dessert draußen beim Sonnenuntergang zu genießen und dem Bimmeln der Kuhglocken zu lauschen.

Tag 3: Sonnenaufgang auf dem Petz und vom Schlernhaus über die Seiser Alm bis nach Compatsch

Vom Schlernhaus aus sind es nur 15 Geh-Minuten hinauf zum Gipfelkreuz auf dem Petz, dem höchsten Punkt des Schlerns (2564 m) – wenn das mal nicht nach Sonnenaufgang schreit! Um 4:30Uhr klingelt am dritten und letzten Wandertag der Wecker. Rechtzeitig zum atemberaubenden Sonnenaufgang sind wir am Gipfelkreuz. Mit uns nur eine Handvoll anderer Schlernhausgäste. Die Sicht reicht über die Seiser Alm bis zu den Gipfeln der Dolomiten – einfach wunderschön!

Wie schnell das Wetter in den Bergen wechseln kann bekommen wir hier zu spüren: Kaum ist der Sonnenaufgang vorbei, zieht es sich zu und beginnt zu nieseln.

Es startet die allerletzte Etappe der Hüttentour, die eigentlich viel zu schnell zu Ende geht. Vom Schlernhaus aus geht es über den „Touristensteig“ der Seiser Alm hinab. 700hm verteilt auf 9,2 km führt die Strecke hinab zum Lift in Compatsch. Das erste Stück führt über die Alm vorbei an Kühen und Eseln. Der Weg wird hier viel leichter, was für den Abstieg sehr angenehm ist. Im Dorf angekommen kehren wir für einen Kaffee noch an einer der Hütten ein um das Ende hinauszuzögern. Ab jetzt folgt nur noch ein letzter kleiner Anstieg zum „Panoramablick“, ehe wir letztendlich die Natur verlassen und das restliche Stück zum Lift über Asphalt laufen. Der Panoramablick ist optional. Wir empfehlen dir diesen Abstecher wärmsten. Von hier aus gibt´s nochmal einen super Blick auf den Schlern.

Zur Mittagszeit kommen wir beim Lift an. Bevor wir die Gondel nach Seis nehmen, lunchen wir noch im Nordic Ski Center. Auf der Terrasse hast du nochmal einen tollen Ausblick über die Alm und die Berge. Jetzt ist die Wanderung wirklich vorbei! Die Gondel bringt uns runter zur Busstation in Seis, wo wir mit dem Shuttlebus Nr. 2 zurück nach Völs gebracht werden.

Fazit

Die Tour ging schneller zu Ende als uns lieb war. Eine wahnsinnig schöne und abwechslungsreiche Route, die wir jedem Wander-Fan sehr ans Herz legen können. Angefangen durch das romantisch grüne Tschamintal geht es weiter durch eine mondartige und steinige Landschaft des Molignonpasses bevor die Tour weiter über die Hochalm verläuft. Wasserquellen, herzliche Hüttenwirte, freundliche Esel und atemberaubende Aussichten erwarten dich auf dieser Hüttenwanderung.

Podcast

Wir haben die lieben von Off The Path in Garmisch-Patenkirschen besucht und mit ihnen über diese Tour geplaudert. Den daraus entstandenen Podcast kannst du hier: Off The Path Podcast mit Fair En Route anhören.

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.